Sippenrecht

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Das Sippenrecht ist der Oberbegriff für die verschiedenen traditionellen Gesetzessammlungen, die von den Windhager Sippen überliefert sind und zeichnet sie gegenüber anderen familiär konstituierten Gemeinschaften Aventuriens aus. Das Sippenrecht kann sich von Sippe zu Sippe wesentlich unterscheiden, sowohl dem Inhalt als auch der Form der Überlieferung nach. Daneben gibt es aber eine Menge gewisser Gesetze, die alle Sippen miteinander teilen. Dieses sogenannte Große Recht dienen meistens der Regelung der Beziehungen der Sippen zueinander und sind gewiss weit mehr als 1000 Jahre alt. Ein Gelehrter aus Elenvina hat das Sippenrecht deshalb einmal als "die Seele des Windhags" bezeichnet.


Das Große Recht

Als "Das Große Recht" bezeichnet man jenen Teil des Sippenrechts, den alle Sippen miteinander teilen und der mehrheitlich das Miteinander der Sippen als solcher regelt. Irgendwo in der Einöde der Berge soll es eine Stelle geben, an der das Große Recht bewahrt wird. Wahrscheinlich in Form einer Felsinschrift. Sicher ist nur, dass die Sippen diesen Ort - wenn es ihn denn tatsächlich gibt - vor dem Adel streng geheim halten.

Die Große Sippe

Das Wort "Sippe" wird im Windhag nicht nur zur Bezeichnung der alteingesessenen Clans sondern auch als Begriff für Frieden oder Rechtszone verwendet. Innerhalb der mit "Sippe" gekennzeichneten Gemeinschaften gibt es durch Recht gesicherten Frieden - außerhalb herrscht das (Sippen-)Recht nicht, wodurch es auch keinen wahren Frieden geben kann. Neben der eigenen Sippe erkennen die Sippler aber auch die Rechtlichkeit der anderen Sippen an, sodass es diese von der Rechtlosigkeit der Sippenlosen unterscheidet. Mit dem Begriff "Große Sippe" ist nun der Rahmen gemeint, in dem die verschiedenen Windhager Sippen miteinander leben und sich gegenseitig Rechte und Pflichten sowie damit einen Grundfrieden zugestehen. Andere Sippler sind zwar keine gleichwertigen Menschen wie die eigenen Verwandten, sie sind aber durchaus nicht "aus der Zeit gefallen", wie die besinnungslosen Völkerschaften rings um den Windhag herum.

Als Besonderheit der "Großen Sippe" kann gelten, dass auch das Kaiserhaus als eigene Sippe anerkannt ist und somit der (theoretischen) Herrschaft des Mittelreiches über die Windhager eine gewisse Grundlage gegeben ist.

Der Blutwehsal

Da die Sippen des Windhags durch die Wildnis der Windhagberge mitunter recht isoliert voneinander leben, pflegen alle Sippen des Windhags einen uralten Brauch - den Blutwehsal. Alle paar Generationen werden zwischen den Sippen und Familien Menschen getauscht, um inzestuöse Verbindungen zu verhindern. Damit dabei keiner Seite ein Nachteil entsteht gibt es recht praktische Handhabungen, um den Wert eines Menschen genauestens festzulegen. Und da es immer wieder vorkommt, dass junge Männer und Frauen unter ihres Gleichen keine passende Partie finden, kann man immer wieder im Windhag auf Sippler treffen, die auf dem "Wehsalweg" sind und nach möglichen Kandidaten Ausschau halten, die es heimzuholen gilt. Oft macht sich der oder die Werbende selbst auf den Wehsalweg, wenn die Eltern zu alt dafür sind oder sich kein passender Stellvertreter findet. Es muss beim Blutwehsal nicht extra hinzugefügt werden, dass die alten Weiber nichts mehr auf der ganzen Welt lieben, als sich über diesen und jenen Blutwehsal das Maul zu zerreißen.

Blutwehsal bei den Gerfins

Bei Gerfins Sippe wird der Blutwehsal alle drei Jahre beim Allding auf dem Jaldingplatz vor den Mauern Kyndochs öffentlich und für die gesamte Sippe transparent gemacht, sodass alle "Einsipplerungen" der letzten drei Jahre auf einen Schlag offiziell durchgeführt werden.

Das geschieht dann in Form einer "Blutsbruderschaftszeremonie". Der oder die Einzuwechselnde und der Anführer der neuen Familie schneiden aus dem Gras des Jaldingplatzes ein Stück so heraus, dass es an beiden Enden mit dem Rasen verbunden bleibt und mischen ihr Blut mit der Erde des Alten Landes. Diese feierliche Zeremonie ist ein Höhepunkt des Alldings.

Das Kleine Recht

Mit dem "Kleinen Recht" fasst man herkömmlicherweise all jene Gesetze zusammen, in denen die Sippen jeweils eigene Überlieferungen pflegen. Es zu beschreiben könnte ganze Bibliotheken füllen. Da es praktisch nicht schriftlich festgehalten wird, kann es sich bis zum nächsten Besuch auch bereits wieder verändert haben. Deshalb sollte der Fremde gar nicht erst versuchen, es zu verstehen.


Das Sippenrecht und die praiosgefällige Ordung

Allen zivilisierten Menschen ist es selbstverständlich, dass die Ordnung des Mittelreiches dem Willen des Götterfürsten selbst entspringt. Der Feudalismus der die Herrschaft des Adels fordert ist auch in der Markgrafschaft Windhag das Maß aller Dinge. Um so verwunderlicher wird es dem Reisenden daherkommen, wenn er mitbekommt, wie allerorten an dieser göttlichen Ordnung vorbei Recht gesprochen wird - und das von gemeinem Volk! Mit dem Sehglas betrachtet, müssen Sippenrecht und Adelherrschaft einander ausschließen. Und doch existieren sie seit hunderten Jahren nebeneinander, ohne dass es Gareth oder den einfachen Mann im Wald deshalb groß zwischen den Backen jucken würde. Nichts desto trotz kommt es immer wieder vor, dass zum Verdruss beider Seiten, die Ordungen miteinander in Konflikt kommen. Wie soll der frisch belehnte Adelsmann auch reagieren, wenn er bei einem Besuch beim Selbstgebrauten von der Magd so nebenbei erzählt bekommt, dass der beste Schmied, der ihm zu eigen war, über Nacht in irgend eine andere Sippe abgehauen ist. Und alle tun so, als sei das das Normalste von der Welt und faseln irgendetwas von einem Blutwechsel. Macht er sich da nicht sofort mit einem getreuen Waffenknecht auf, den Flüchtling wieder einzufangen, ihm das Fell sehr gründlich zu gerben und ihn dann dahin zurückstecken, wo der Götterfürst Praios selbst ihn hingestellt hat?!

Und so sind Adel und Sippen darauf angewiesen, miteinander einen gangbaren Weg auszuloten. So kann in manchen Ecken des Windhages der Adelsmann nur hoffen, dem Sippenrecht ja nicht in die Quere zu kommen und die Sippen nicht zu verärgern, während anderswo der Edle mit Peitsche und Strick den widerborstigen Pöbel unter die Knute zwingt.

Gemeinhin haben die Alten Familien, die von den Jahren in den Adelsstand getragen wurden ihre Wege und Mittel gefunden um beide Welten zu vereinen. Aber überall im Land mögen es die Sippler einander zum Abschied folgende Worte mitzugeben: "Bleib mir verschont vor Pest und Brand und Adel aus Garether Land."


Konkretes aus den Rechtssetzungen der jeweiligen Sippen